Heranwachsende Kinder lernen jederzeit Neues. Sie orientieren sich dabei nahezu ausschließlich an den Verhaltensweisen der Älteren, ahmen sie nach und stellen sie manchmal auf die Probe.

Auch Mütter und Väter lernen unermüdlich während der Erziehung ihrer Kinder. Sie lernen, ein bewusster Elternteil und Vorbild zu sein. Auf dem Weg zum respektvollen, freundlichen und dennoch konsequenten Umgang mit Kindern ist ein Fahrplan entscheidend, der es dem Nachwuchs ermöglicht, sich zielgerichtet auf sozialverträgliche Lebenskompetenzen zuzubewegen.

Was wünschst du dir für dein Kind / deine Kinder?

In diesem Blogbeitrag möchte ich eines meiner Lieblingswerkzeuge für eine erfolgreiche, klare und ruhige Erziehung mit dir teilen. Dank der «positiven Disziplin» (Jane Nelsen) bin ich auf dieses wertvolle Wissen gestossen. Das war eines meiner wichtigsten «Aha»-Erlebnisse im Bereich Kindererziehung.

Seitdem hat sich meine Einstellung gegenüber dem «schlechten» Verhalten von Kindern komplett zum Positiven verändert. Auch in schwierigen Situationen reagiere ich mittlerweile fast immer gelassen und bewahre die Ruhe – ganz gleich, ob mit den Kindern in meiner Familie, im Freundeskreis als auch in der Schule. Das ist ein Segen für mich und insbesondere für die Kinder.

Wie mir das gelingt, erfährst du gleich.

Natürlich wollen Eltern das Beste für ihre Kinder. Das Problem ist, dass die Methoden, mit denen sie ihre Kinder disziplinieren, nicht dazu beitragen, das zu erreichen, was sie sich wirklich für ihre Kinder wünschen. Aufgrund des Mangels an aktualisierten Kenntnissen im Bereich der Kindererziehung greifen sie auf altmodische Methoden zurück, die nicht effektiv sind, Stress im Familienleben auslösen und ungewollt das Selbstwertgefühl ihrer Kinder schwächen.

Dein erster Schritt, um herauszufinden, wie man der beste (wenn auch nicht der perfekte) Elternteil wird, besteht darin, einen Leitfaden zu erstellen, der dir dabei hilft, deine Ziele zu erreichen.

Dieser Leitfaden wird wie dein Kompass in der Kindererziehung sein. Wenn dich der Wind – aus welchem Grund auch immer – vom Kurs abbringt, kannst du die Segel jederzeit wieder richten und den Weg zurück zu deinen Zielen finden.

Die vorgeschlagene Übung wird dir dabei helfen, die Lebenskompetenzen, die du dir für dein Kind / deine Kinder wünschst, klar zu definieren. Es werden deine langfristigen Ziele in der Erziehung sein. Es ist sehr empfehlenswert, anschliessend mit deiner Partnerin / deinem Partner darüber zu sprechen und eure gemeinsamen Ziele zu definieren.

Eine kurze Reise in die Zukunft

Mal angenommen, es sind 20 oder 25 Jahre vergangen und deine Tochter / dein Sohn ist jetzt 30 Jahre alt. Es ist Sonntag und sie/er klopft an deine Tür für einen Besuch. Du öffnest und freust dich so sehr, sie/ihn zu sehen.

Was für einen Menschen hoffst du, vor dir zu sehen? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten wünschst du dir für sie/ihn?

Schreibe sie dir auf, damit du sie immer vor Augen hast.

Diese Eigenschaften und Fähigkeiten, die du dir für dein Kind / deine Kinder erhoffst, sind deine langfristigen Erziehungsziele.

Langfristige versus kurzfristige Erziehungsstile

Es gibt viele verschiedene Wege, unsere Kinder zu erziehen. Ganz gleich, welchen wir auch wählen: Das Wichtigste dabei ist, die langfristigen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Methoden wie «Bestrafungen», «Drohungen», «Beschimpfungen» oder „Belohnungen“ können eventuell kurzfristig effektiv wirken, weil das Kind für einen Moment damit aufhört, das zu tun, was dich nervt. Damit erreichen wir jedoch nicht unsere langfristigen Ziele.

Auch wenn du das nicht glauben möchtest, sind die Verhaltensherausforderungen in der Gegenwart eigentlich ein grosses Geschenk für uns Erziehende! «Was? Ein Geschenk?», fragst du dich jetzt sicherlich. Ja! Sie sind ein Geschenk, denn sie schaffen ausgezeichnete Gelegenheiten, die emotionalen und sozialen Kompetenzen zu vermitteln, die du dir für das Leben deiner Tochter / deines Sohnes wünschst.

Lebenskompetenzen (Selbstkonzept, Emotions- und Stressregulation, Kommunikation, Empathie, Kooperation, kritisches Denken, kreatives Denken und dergleichen) sind heutzutage wichtiger geworden als je zuvor. Sie bestimmen, wie gut wir zum Beispiel mit eigenen Emotionen und den Emotionen und Wünschen anderer umgehen und soziale Konflikte bewältigen können.

Die praktische Übung

Füge in die «JETZT»-Hälfte der folgenden Tabelle die Herausforderungen ein, die du gerade mit deinem Kind / deinen Kindern erlebst. Nenne in der anderen Hälfte «ZUKUNFT» die Eigenschaften und Kompetenzen, die dein Kind entwickeln soll.

Ergänze die Tabelle mit deinen Beispielen:

JETZT = HerausforderungenZUKUNFT = langfristige Ziele
(zu entwickelnde Eigenschaften und Kompetenzen)
«Es will nicht helfen.»kooperieren können (Kooperation)
«Wir haben Streitereien.»Win-win-Lösungen finden (Fokus auf Lösungen)
«Es lügt.»ehrlich sein (Ehrlichkeit fördern)
«Es will JETZT!»warten können (Geduld üben)
Ergänze mit deinen Beispielen

Ein Alltagsbeispiel

Dein Kind fängt an zu weinen und schreit, weil es im Supermarkt Chips will.

Kurzfristiges Ziel:

Du möchtest Ruhe und bemühst dich, dass es aufhört zu schreien. Darum holst du ihm sofort die Chips aus dem Regal. Was lernt das Kind daraus? Wahrscheinlich, dass es mit Schreien das erreicht, was es will, auch wenn es für seine Gesundheit und für die anderen, die dabei sind, nicht förderlich ist.

Warten und Frustration ertragen können, würde dem Kind langfristig fürs Leben mehr bringen. Vielleicht wird es auch im Erwachsenenalter die Kollegen, seine Ehefrau / seinen Ehemann mit solchen Methoden manipulieren (eingeschnappt sein, wütend werden, weinen und Ähnliches).

Kennst du Erwachsene, die eine geringe Frustrationstoleranz haben, schnell wütend sind, manipulieren und/oder ihre Gefühle nicht regulieren können? Es ist gut möglich, dass sie diese Fertigkeiten zu wenig trainiert haben und ihre Muster eingespielt sind.

Langfristiges Ziel:

Wie kannst du freundlich und bestimmt handeln und dabei dennoch an deine langfristigen Erziehungsziele denken?

Anstatt dem Kind in diesem Moment sofort die Packung Chips zu geben, reflektierst du!

Du weisst, dass geduldiges Warten und Selbstregulierung wichtige Fähigkeiten (exekutive Funktionen) fürs Leben sind. Du zeigst darum Empathie für dein Kind, bleibst ruhig, benennst sein Gefühl (wütend/frustriert) und eventuell auch den Grund (es will jetzt die Chips und du willst sie ihm jetzt nicht geben) und bietest ihm eine Alternative an.

Das könnte sich so anhören:
«Du bist sehr wütend, weil du keine Chips bekommst. Chips magst du sehr gerne. Das weiss ich. Doch es ist mir wichtig, dass du jetzt etwas Gesundes isst. Möchtest du ein paar Nüsse oder Trauben?»

Du kannst dein Kind auch um Hilfe bitten und sagen:
«Wir essen bald zu Hause. Dafür brauchen wir vier Zitronen. Du kannst mir beim Auswählen oder beim Wiegen helfen. Was wäre dir lieber?»

Langfristige Ziele geben dir Sicherheit

Hast du deine langfristigen Ziele in der Kindererziehung klar und präsent vor Augen, wird es dir viel leichter fallen, Grenzen zu setzen und freundlich und dennoch bestimmt zu handeln. Deine langfristigen Ziele zu kennen, ermöglicht dir Sicherheit im Tun.

Du kannst reflektieren und dich selbst dazu ermutigen, wenn du weisst,

  • was dir gefällt, was du in welcher Form bereits machst,
  • was du ändern möchtest,
  • wie du es ändern willst.

Klare Ziele.

Klare Erziehung.

Wünschst du dir Unterstützung bei der Definition deiner langfristigen Ziele? Oder brauchst du weitere respektvolle Methoden, die du bei den herausfordernden Situationen im Alltag mit deinem Kind / deinen Kindern anwenden kannst?

Reserviere ein 1:1 Coaching mit mir oder trage dich für den nächsten STEP-Elternkurs (online oder live in Zürich) ein!

Ich freue mich, dich kennenzulernen und dich eine Zeit lang mit positiver Disziplin zu begleiten.

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